A ROLLS-ROYCE IS PUT UNDER THE MICROSCOPE.
Here is the link to the full article and video on Auto Motor und Sport.
Luxus aus zweiter
Hand
Irgendwann landet auch ein Rolls-Royce im Diesseits des
Gebrauchtwagen-Geschäfts. Was dann mit den Luxus-Wagen passiert?
auto motor und sport schaut sich zusammen mit Oldtimer-Gutachterin
und Automobil-Ingenieurin Laura Kukuk den Bewertungsprozess an.
Glamour? Kein bisschen. Eine Werkstatt wie viele andere auch,
autorisierter Service-Betrieb für BMW, Mini. Und eben: Rolls-Royce.
Gelegen in einem Gewerbegebiet eines kleinen Städtchens einige
Kilometer südlich von München. Im übi NEUVORSTELI
Ausstellungsraum parken drei ziemlich unuver senauval grube
britische Luxuswagen, einer davon: Ein Gebrauchtwagen. Ein Phantom
Coupé, also so etwa das exklusivste des Exklusiven, als Neuwagen mit
Sonderausstattung gerne mal eine halbe Million Euro teuer. Oder mehr.
„Davon sind in Deutschland vielleicht 15 Stück zugelassen", sagt
entsprechenden Garantie-Umfänge. Und falls gewünscht,
berücksichtigen wir auch neue Sonderausstattungen", ergänzt Müller.
Sein Kollege Daniel Karlsson, Master Technican bei Rolls-Royce
München, kümmert sich heute allerdings nicht um den Phantom,
sondern um einen Ghost Black Badge, die sportliche Ausprägung der
„kleine" Limousine sozusagen. „Wie lange dauert denn der gesamte
Prozess?" möchte Laura Kukuk wissen. Die Automobil-Ingenieurin setzt
sich im elterlichen Betrieb häufig mit Oldtimern aller Marken, aber
auch modernen Exoten auseinander, bewertet Klassiker bei Concours-
Veranstaltungen und forscht freiberuflich nach der Historie besonderer
Automobile - jüngst bei einem BMW 503 Cabrio, das möglicherweise
mal ein Coupé war.
Daniels Antwort jedenfalls verblüfft sie: „Rund drei Stunden." Das die
Bewertung nicht mehr Zeit in Anspruch nimmt, läge daran, dass sich
Daniel ausschließlich mit Rolls-Modellen auseinandersetzt. „Ich kenne
die Fahrzeuge in- und auswendig, weiß genau, wie ich vorgehen muss."
„Tja, und ich fange praktisch jedes Mal von vorne an, weil es immer
andere Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller sind. Und eine im
Computer hinterlegte Service-Historie gibt's auch eher selten",
berichtet Laura. Ihre Arbeit nehme schon mal Tage in Anspruch. Bei
einem Concours dagegen muss es schnell gehen: „Da bleiben höchsten
15 Minuten für die Bewertung."
Hektische Vorbesitzer
Daniel will die Limousine auf die Hebebühne fahren, nachdem die erste
Lackprüfung bei Tageslicht stattfand. „Schon beim Öffnen der Tür kann
ich spüren, ob der Vorbesitzer ein Hektiker war oder nicht", sagt er. Wie
das? So ganz genau kann Daniel das nicht beschreiben. „Es fühlt sich
an wie ein leichtes Klicken. Das deutet auf einen stark beanspruchten
Schließzapfen hin, der Vorbesitzer hat die Tür also immer
zugeschlagen und nicht die elektrische Zuziehhilfe benutzt." Aha.
Weitere Merkmale des Hektikers: Eine abgewetzte Fahrersitzwange.
Und Macken in der B-Säule. „Die kommen davon, dass der
Regenschirm nicht ganz in das Fach in der Tür geschoben wurde. Der
Griff steht also ein bisschen vor, Tür zu, Macke drin." Ob das bei Skoda
wohl genau so ist? Schließlich stecken auch im Superb Regenschirme.
Wer weiß.
Ob denn der Schirm auch auf Dichtigkeit geprüft wird? „Die sind dicht,
glaub mir", antwortet Daniel. Und das ich nicht wissen wolle, was so
ein Schirm kostet. Die Bühne fährt auf halbe Höhe, der zweite Check
der aufwändigen Lackierung steht an. „Wichtig ist, immer aus allen
möglichen Blickwinkeln bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu
prüfen*, referiert Laura. „Auf jeden Fall. Und da es heute sehr gute
Karosseriebauer und Lackierer gibt, ist eine Lackstärkenmessung
unumgänglich", ergänzt Daniel. „Ja, und dann gibt es immer wieder
Kunden, die behaupten, dass eine zu geringe Lackdichte genau so
gehöre", weiß Kukuk. Bei einem Rolls-Royce müssen zwischen 140 und
150 Mikrometer drauf sein. Und wenn tatsächlich einen Rolls-Royce
einmal das Schicksal ereilte, mit einem anderen Fahrzeug oder
Gegenstand kollidieren zu müssen, dann sollte der Schaden in einer
Vertragswerkstatt repariert worden sein. Ansonsten gibt's keinen
Provenance-Status.
Lieber reparieren als tauschen
das? So ganz genau kann Daniel das nicht beschreiben. ,Es fühlt sich
an wie ein leichtes Klicken. Das deutet auf einen stark beanspruchten
Schließzapfen hin, der Vorbesitzer hat die Tür also immer
zugeschlagen und nicht die elektrische Zuziehhilfe benutzt." Aha.
Weitere Merkmale des Hektikers: Eine abgewetzte Fahrersitzwange.
Und Macken in der B-Säule. „Die kommen davon, dass der
Regenschirm nicht ganz in das Fach in der Tür geschoben wurde. Der
Griff steht also ein bisschen vor, Tür zu, Macke drin." Ob das bei Skoda
wohl genau so ist? Schließlich stecken auch im Superb Regenschirme.
Wer weiß.
Ob denn der Schirm auch auf Dichtigkeit geprüft wird? „Die sind dicht,
glaub mir". ", antwortet Daniel. Und das ich nicht wissen wolle, was so
ein Schirm kostet. Die Bühne fährt auf halbe Höhe, der zweite Check
der aufwändigen Lackierung steht an. „Wichtig ist, immer aus allen
möglichen Blickwinkeln bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu
prüfen*, referiert Laura. „Auf jeden Fall. Und da es heute sehr gute
Karosseriebauer und Lackierer gibt, ist eine Lackstärkenmessung
unumgänglich", ergänzt Daniel. ,Ja, und dann gibt es immer wieder
Kunden, die behaupten, dass eine zu geringe Lackdichte genau so
gehöre", weiß Kukuk. Bei einem Rolls-Royce müssen zwischen 140 und
150 Mikrometer drauf sein. Und wenn tatsächlich einen Rolls-Royce
einmal das Schicksal ereilte, mit einem anderen Fahrzeug oder
Gegenstand kollidieren zu müssen, dann sollte der Schaden in einer
Vertragswerkstatt repariert worden sein. Ansonsten gibt's keinen
Provenance-Status.
Lieber reparieren als tauschen
Was bringt der überhaupt? „Gegenüber Fahrzeugen, die von freien
Händlern angeboten werden, dem Käufer ein Maximum an Sicherheit
und eben das Gefühl, einen Neuwagen zu erwerben", erklärt Robert
Müller. Und nebenbei rund 15.000 Euro mehr Umsatz, denn soviel
kosten Provenance-Fahrzeuge gegenüber anderen mehr. Daniel hat
den Ghost inzwischen auf der Bühne ganz nach oben gefahren, die
Unterbodenverkleidungen demontiert. Keine Beschädigungen. Sieht
alles gut aus, nirgends rieselt etwas heraus, das nicht herausrieseln
sollte. Sand, Schotter, Kies etwa. Oder Essensreste. Wie bitte? „Ja, wir
sollten mal für einen bekannten Kunden einen Wagen zurücknehmen.
Er berichtet, dass er Marder in seiner Garage hatte.
Tatsächlich fanden wir allerlei Essensreste in den entlegensten Winkeln
der Karosserie", erzählt der Meister-Mechaniker. Seltsamerweise löste
aber nach Geschäftsschluss immer mal wieder die Alarmanlage der
Werkstatt aus. Bald war klar: Die Tiere bewohnen den Rolls noch
immer. „Den letzten von vieren habe ich mit einem Endoskop und
einer Greifzange aus dem Auto geholt", sagt Daniel. Eine Woche habe
es gedauert, alle Tiere lebend zu bergen. Angeknabbert haben sie
übrigens nichts. Nur eben in der Karosserie gewohnt. Inzwischen
arbeitet sich Daniel durch den Innenraum, Laura beeindruckt die
Perfektion: „Mit welcher Routine er kleineste Details entdeckt, ist irre."
Kleinste Beschädigungen des Leders an der Rückseite des Lenkrads
beispielsweise. Wäre ein Tausch notwe MEUVOR:
kosten. „Generell gilt: Lieber reparieren als tauschen, speziell im
Karosseriebereich. Komponenten tauschen ist immer nur die
allerletzte Option, da so der originale Charakter verloren geht", ", sagt
Robert Müller.
Nun, er arbeitet eben bei Rolls-Royce München. „Momentan ist das
Coupé noch im Besitz unseres Kunden. Sobald sich ein Interessent
findet, kaufen wir es an und bewerten es", erklärt Müller, verschwindet
kurz in den hinteren Büroräumen. Auf einem der Schreibtische steht
ein Teller, darauf eine unbenutzte Papier-Serviette, die das Cockpit
eines BMW 7er, Baureihe E32 zeigt. Man ist offenbar schon länger im
Geschäft. Dieser 7er wurde von 1986 bis 1994 gebaut.
Gefühlt ein Neuwagen
Provenance nennt sich das Gebrauchtwagen-Programm von Rolls-
Royce, „Herkunft" also, und gilt vorrangig für alle unter BMW-Regie
gebauten Fahrzeuge, also ab 2003. Die Herkunft muss absolut
nachvollziehbar sein, denn der Gebrauchtwagen-Käufer soll sich so
fühlen, als erwerbe er einen neuen Rolls. ,Da gelten dann die
